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Reiseführer Europa

(c) Ingrid + Achim Walder

Öchsle Museumsbahn
zwischen Ochsenhausen und Warthausen


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Öchsle Museumsbahn zwischen Ochsenhausen und Warthausen

Die Öchsle-Museumsbahn ist eine der bekanntesten württembergischen Schmalspurbahnen mit einer Spurweite von 750 Millimetern und verbindet auf rund 22 Kilometern Länge die oberschwäbischen Orte Ochsenhausen und Warthausen im Landkreis Biberach. Die Strecke führt durch eine reizvolle Kulturlandschaft mit Wiesen, Feldern und kleinen Ortschaften und durchquert dabei die Gemeinden Warthausen, Maselheim und Ochsenhausen. Seit 1985 wird die traditionsreiche Linie als Museumseisenbahn betrieben und hat sich zu einem festen Bestandteil des touristischen Angebots in Oberschwaben entwickelt. Ihre Ursprünge reichen in die Zeit der württembergischen Nebenbahnen zurück, als die schmalspurige Bauweise eine kostengünstige Erschließung ländlicher Räume ermöglichte. Nach der Einstellung des regulären Verkehrs drohte auch dieser Strecke der Abbau. Durch das engagierte Wirken des Öchsle Schmalspurbahn e. V. konnte die Trasse jedoch erhalten werden. Ein Großteil des verbliebenen Rollmaterials ging in den Besitz des Vereins über und bildete die Grundlage für den späteren Museumsbetrieb. Nach umfangreichen Instandsetzungsarbeiten an Gleisen, Brücken und Bahnhofsgebäuden wurde 1985 der touristische Verkehr zwischen Warthausen und Ochsenhausen aufgenommen. Das Öchsle war dabei bundesweit eine der ersten Bahnen, die nach den damals neu gefassten eisenbahnrechtlichen Regelungen wieder in Betrieb gehen wollte. Dadurch nahm sie eine Vorreiterrolle ein und prägte maßgeblich die praktischen Ausführungsdetails für vergleichbare Museumsbahnen in Deutschland. Zur Sicherung des langfristigen Betriebs entstanden Mitte der 1990er-Jahre neue organisatorische Strukturen. 1995 wurde die Öchsle Bahn AG als Eisenbahninfrastrukturunternehmen gegründet. Sie ist Eigentümerin der Gleisanlagen und verantwortlich für deren Unterhalt und Weiterentwicklung. Ebenfalls 1995 entstand die Eisenbahn-Betriebsgesellschaft Ochsenhausen GmbH, die den Eisenbahnbetrieb organisatorisch absichert. 2001 folgte die Öchsle Bahn Betriebs-GmbH zur Durchführung des touristischen Verkehrs. Mit ihr wurde ein Großteil des historischen Wagen- und Lokomotivbestands übernommen. 2002 konnte der Fahrbetrieb erneut aufgenommen und dauerhaft etabliert werden. In den folgenden Jahren wurde der Fahrzeugpark kontinuierlich erweitert. Durch Zukäufe, Anmietungen und Leihgaben gelang es, den historischen Charakter der Bahn zu stärken und unterschiedliche Epochen der süddeutschen Schmalspurbahngeschichte erlebbar zu machen. Dampflokomotiven, liebevoll restaurierte Personenwagen und authentische Güterwagen vermitteln heute ein lebendiges Bild früherer Eisenbahnzeiten. Mit inzwischen über 40.000 Fahrgästen pro Jahr hat sich die Öchsle-Museumsbahn zu einem bedeutenden touristischen Anziehungspunkt entwickelt. Sie verbindet Technikgeschichte, regionales Engagement und landschaftliches Erlebnis zu einem stimmigen Gesamtkonzept. Eine Fahrt mit dem „Öchsle“ ist damit nicht nur eine Reise durch Oberschwaben, sondern zugleich eine eindrucksvolle Zeitreise in die Ära der württembergischen Schmalspurbahnen.

Bahnstrecken und Züge in Europa - Walder-Verlag

Herausgeber, Autoren und Redaktion: Ingrid Walder - Achim Walder
Mitarbeiter/innen: Ralf Bayerlein, Peter Höhbusch, Christoph Riedel, Manfred Diekenbrock, Eva Lenhof, Sebastian Walder, Elke Beckert,
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Ur-Öchsle-Lok 99633: württembergische Mallet Tssd. Technik: Leistung: ca. 250PS, Gewicht: 28,7t. Sehr seltene Bauart 'Mallet' (benannt nach ihrem Erfinder, dem Schweizer Ingenieur Jules T. Anatole Mallet): Vier Dampfzylinder (zwei Hochdruck- und zwei Niederdruckzylinder) arbeiten im Verbund und sorgen damit für einen wesentlich besseren Wirkungsgrad als bei einer vergleichbaren Dampflok mit den üblichen zwei Zylindern. Zwei Zylinder sind in einem beweglichen Triebwerk angeordnet, was zu einer sehr guten Kurvenläufigkeit und einer Schonung des Gleises führt.

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Restaurierung durch den Öchsle Schmalspurbahnverein: Zerlegen der Lok; Aufarbeitung von Komponenten; Hilfe bei der Endmontage; Planung, Überwachung und Finanzierung des Gesamtvorhabens. Für Kauf und Restaurierung hat der Öchsle-Schmalspurbahn e.V. insgesamt 360.000€ in die Lok investiert, finanziert durch Spenden, Veranstaltungen und den Betrieb des Öchsle- Speisewagens.

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Hintergrundinformationen: Die Ur-Öchsle-Lok 99 633 wurde 1899 von der Maschinenfabrik Esslingen gebaut und im Januar 1900 als dritte Lokomotive an das Öchsle ausgeliefert. Abgesehen von kürzeren Aushilfseinsätzen auf der Bottwartalbahn Marbach – Heilbronn und der Zabergäubahn Lauffen – Leonbronn hat sie ihr ganzes aktives Leben in Oberschwaben verbracht. 1969 wurde sie als letzte ihrer Baureihe nach einer Laufleistung von drei Millionen Kilometern ausgemustert und an die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte e.V. verkauft. Nur zwei von neun Loks dieser Baureihe sind erhalten geblieben: Neben 99 633 noch die in Bad Buchau als Denkmal aufgestellte 99 637. Die Deutsche Gesellschaft für Eisenbahngeschichte restaurierte die Lok umfangreich in Eigenleistung und setzte sie ab 1982 im Museumsverkehr auf der Jagsttalbahn Möckmühl – Dörzbach ein. 1985 wurde die Lok nach Ochsenhausen verliehen und zog dort den Eröffnungszug der neu entstandenen Museumsbahn. 1990 wurde die Lok nach eine Unfall mit einem PKW im Dampflokwerk Meiningen instand- gesetzt und anschließend im Lokschuppen Möckmühl hinterstellt. Eine Wiederinbetriebnahme der Jagsttalbahn hatte sich jedoch zerschlagen und so kehrte die Lok 2002 abermals als Leihgabe nach Ochsenhausen zurück. Mittlerweile nicht mehr betriebsfähig wurde sie im Lokschuppen Ochsenhausen abgestellt. 2007 konnte sie nach langjährigen Bemühungen durch den Öchsle-Schmalspurbahn e.V. erworben werden. Unverzüglich begannen die Planungen für die Aufarbeitung.


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Aufarbeitung: Das Material des mittlerweile 115 Jahre alten Kessels der Lok hätte eine Aufarbeitung nicht mehr mitgemacht. Deshalb wurde 2011 bei einer Spezialfirma in Graz ein neuer Kessel in Auftrag gegeben. Die Lok wurde in Ochsenhausen grossteils zerlegt, alle Teile dokumentiert und die Schäden aufgenommen. Wegen der hohen Auslastung der ehrenamtlichen Öchsle-Mitarbeiter wurde entschieden, die Montage und Inbetriebnahme der Lok fremd zu vergeben. Den Auftrag erhielt die Werkstatt der Zillertalbahn in Jenbach / Tirol. In den Öchsle-Werkstätten Warthausen und Ochsenhausen wurden als Eigenleistung zahl- reiche Komponenten aufgearbeitet und zur Montage nach Jenbach geliefert. Mehrere Male reisten Vereinsmitglieder nach Jenbach und beteiligten sich dort an Montagearbeiten. Die Arbeiten wurden laufend von unserem Vereinsmitglied und Sachverständigen Prof. Dr. Martin Cichon überwacht. Inklusive Kauf und Kesselneubau hat der Verein 360.000 € in die Lok investiert. 65.000 € haben die Denkmalstiftung Baden-Württemberg und das Land als Zuschuss beigetragen. Der Rest wurde vom Verein über Spenden, Veranstaltungen und den Betrieb des Speisewagens erwirtschaftet.

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Inbetriebnahme: Im Oktober 2014 war die Lok fertiggestellt. Der neue Kessel wurde sehr langsam über mehrere Tage hochgeheizt, um Verspannungen zu vermeiden, die durch die Montage aller Komponenten im kalten Zustand entstehen können, und um die Dichtigkeit zu prüfen. Am 3. November war es dann soweit. Es konnten erste Probefahrten unternommen wer- den. Nach ersten Gehversuchen im Bahnhofsbereich erfolgten Leerfahrten auf der Strecke der Zillertalbahn. Hier galt es vor allem alle Lagerungen, die Schmierung, die Dichtigkeit aller Leitungen und die Funktion aller Ventile und Komponenten wie Luftpumpe, Lichtmaschine etc. im Betrieb zu prüfen. Außerdem musste sich das Öchsle-Lokpersonal erst langsam mit der Bedienung der Lok vertraut machen. Höhepunkt war dann eine Lastprobefahrt, bei der ein 93 Tonnen schwerer moderner Personenzug als Anhängelast gezogen wurde. Dabei konnte die Lok ihre Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis stellen. Diese Probefahrten verliefen sehr erfolgreich und zeigten die hervorragende Qualität der Arbeiten aller Beteiligten. In der Woche darauf wurden verschiedene kleinere Nacharbeiten erledigt und bei weiteren Probefahrten geprüft. Abschluss und Höhepunkt der Inbetriebnahme war die öffentliche Sonderfahrt auf der Zillertalbahn am 22. November bei strahlendem Sonnenschein. Die offizielle Inbetriebnahme auf dem Öchsle erfolgt mit einer Sonderfahrt am 25. April.

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Zukünftiger Einsatz: Seit vielen Jahren ist auf dem Öchsle nur eine betriebsfähige Dampflok vorhanden, während sich die andere in der sehr aufwändigen Hauptuntersuchung befindet. Das sind im Wechsel die beiden Loks 99788 'Berta' und 99716 'Rosa'. Obwohl beide Loks sehr zuverlässig laufen, birgt das natürlich ein gewisses Risiko. Bei einem größeren Schaden könnte unter Umständen über längere Zeit keine Dampflok eingesetzt werden, was ein ganz erheblicher Attraktivitätsverlust wäre. Mit 99633 steht jetzt eine zweite Lok zur Verfügung und kann den Dampfbetrieb sicherstellen. Aufgrund des Alters und des besonderen Wertes der Lok, soll sie überwiegend bei Sonderveranstaltungen und Sonderzügen eingesetzt werden. Sie wird aber auch verschiedene Plantage übernehmen. Beim Bahnhofsfest können zukünftig sogar zwei Dampfloks in Betrieb erlebt werden. Die Lok besitzt bei Eisenbahnfreunden einen sehr hohen Bekanntheitsgrad und stößt auf sehr großes Interesse. So gibt es hier bereits Anfragen speziell für Sonderfahrten mit der Lok.

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Besonderheiten:




Öchsle Bahn

Kontakt zum Öchsle Schmalspurbahn e. V.
Postfach 1228 · 88412 Ochsenhausen · verein@oechsle-bahn.de


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Redaktion: Ingrid Walder und Achim Walder
Foto: Ingrid Walder und Achim Walder
Text: Ingrid Walder und freie Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen des Walder-Verlags
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