Einleitung
Urlaubszeit und Reisedauer
Bahnreisen früher
Bahnreisen heute
Autoreisen früher
Autoreisen heute
Camping, Wohnmobile und Radreisen
Reisen mit dem Flugzeug
Touristische Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse
Overtourism und Besucherlenkung
Ausblick: Wie viel Reisen ist möglich?
Die Autoren
Urlaub und Reisen haben sich seit den 1960er- und 1970er-Jahren grundlegend verändert. Größere Entfernungen lassen sich schneller überwinden, Reiseziele auf anderen Kontinenten sind für breite Bevölkerungskreise erreichbar geworden, und digitale Angebote ermöglichen Buchungen innerhalb weniger Minuten. Gleichzeitig sind viele persönliche Dienstleistungen verschwunden. Aufgaben, die früher Beschäftigte an Bahnhöfen, in Reisebüros, Hotels oder an Grenzübergängen übernahmen, müssen Reisende heute selbst erledigen. Die Erinnerungen an das Reisen vor vier oder fünf Jahrzehnten besitzen deshalb einen besonderen Wert. Viele Menschen, die die damaligen Verhältnisse als Erwachsene erlebt haben, sind heute etwa 80 Jahre alt oder älter. Jüngere Generationen kennen gedruckte Kursbücher, Gepäckträger, Kurswagen, Grenzkontrollen, verschiedene europäische Währungen oder die Reiseplanung ohne Internet nur aus Erzählungen. Eine Rückschau kann zeigen, was damals beschwerlich war, welche Angebote gut funktionierten und welche Leistungen im Zuge der Modernisierung verloren gingen. Die Vergangenheit soll dabei nicht verklärt werden. Reisen war häufig langsamer, teurer und für viele Familien nur eingeschränkt möglich. Informationen waren schwerer zu beschaffen, zahlreiche Fahrzeuge und Bahnhöfe waren nicht barrierefrei, und politische Grenzen erschwerten internationale Fahrten. Dennoch gab es ein enges Netz persönlicher Beratung und praktischer Hilfe. Heute stehen dem schnelleren Verkehr und der digitalen Information neue Probleme gegenüber: unübersichtliche Tarife, fehlende Ansprechpartner, überlastete Verkehrswege, knappe Umsteigezeiten, überfüllte Reiseziele sowie wachsende Belastungen für Klima, Natur und Bevölkerung. Der folgende Beitrag betrachtet Bahn, Auto, Fahrrad, Camping und Flugzeug nicht getrennt von der Tourismusentwicklung. Entscheidend ist die gesamte Reisekette: von der Planung und dem Gepäcktransport über die Fahrt bis zur letzten Strecke zwischen Bahnhof, Flughafen oder Parkplatz und der Unterkunft. Ebenso wichtig ist die Frage, ob ältere Menschen, Familien, Menschen mit Behinderungen und Reisende ohne Smartphone gleichberechtigt teilnehmen können.
Eine jährliche Urlaubsreise war damals keineswegs selbstverständlich. Viele Menschen besuchten Verwandte, die Großeltern oder die eigenen Kinder. Andere verbrachten ihre freie Zeit zu Hause, renovierten die Wohnung, arbeiteten am Haus oder kümmerten sich um den Garten. Das verfügbare Einkommen wurde häufig für notwendige Anschaffungen und bessere Wohnverhältnisse benötigt. Wer verreiste, bereitete den Aufenthalt meist lange im Voraus vor. Anregungen lieferten Tageszeitungen, Illustrierte, Reisekataloge, Prospekte der Fremdenverkehrsämter, gedruckte Reiseführer sowie Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis. Unterkünfte wurden im Reisebüro, telefonisch oder schriftlich gebucht. Die Entscheidung musste getroffen werden, ohne zu wissen, welches Wetter mehrere Wochen später zu erwarten war. Regentage gehörten zum Urlaub und führten nicht ohne Weiteres zu einem Wechsel des Reiseziels. Busunternehmen boten Tagesausflüge und mehrtägige Gesellschaftsreisen an. Sie ermöglichten auch Menschen ohne eigenes Auto, Landschaften, historische Städte und Ausflugsziele abseits der Bahnstrecken kennenzulernen. Häufig blieb die Reisegruppe mehrere Nächte an einem Ort und unternahm von dort Ausflüge. Das tägliche Wechseln der Unterkunft entfiel, und die Reisenden kamen miteinander ins Gespräch.
Heute lassen sich Wettervorhersagen, Verkehrsverbindungen, Unterkünfte und Preise kurzfristig vergleichen. Diese Flexibilität ist ein großer Gewinn. Sie kann aber auch dazu führen, dass gebuchte Reisen wegen einer ungünstigen Wetterprognose infrage gestellt und Urlaubsorte wie austauschbare Produkte behandelt werden. Für Hotels und Pensionen bedeuten kurzfristige Stornierungen eine erhebliche Unsicherheit. Gleichzeitig wächst der Wunsch, in kurzer Zeit möglichst viele bekannte Orte zu besuchen. Soziale Netzwerke und Reisevideos lenken die Aufmerksamkeit auf dieselben Fotopunkte. Nicht selten wird viel Zeit für Anreise und Warteschlangen aufgewendet, während für die Geschichte eines Ortes, für Nebenwege und Gespräche mit Einheimischen wenig Raum bleibt. Günstige Verkehrspreise ermöglichen sogar Flugreisen für ein Wochenende oder eine einzelne Veranstaltung. Der scheinbare Zeitgewinn relativiert sich jedoch, wenn Anfahrt, Kontrollen, Wartezeiten und Transfers einbezogen werden. Eine längere Aufenthaltsdauer kann nicht nur erholsamer, sondern auch umweltverträglicher sein. Wer weniger Ziele auswählt und länger bleibt, verteilt den Aufwand der An- und Abreise auf mehr Urlaubstage und lernt eine Region meist intensiver kennen.

(mit KI bearbeitet)
In den ersten Nachkriegsjahrzehnten besaß die Eisenbahn in vielen Regionen noch eine große Bedeutung für den Alltags- und Reiseverkehr. Ein dichtes Netz von Haupt- und Nebenstrecken verband Großstädte, kleinere Orte und Urlaubsregionen. Bahnhöfe waren nicht nur Haltepunkte, sondern Orte des Verkaufs, der Beratung, der Gepäckabfertigung und häufig auch der örtlichen Begegnung. Seit den 1960er-Jahren wurden in Deutschland zahlreiche Nebenstrecken stillgelegt, Schalter geschlossen und Bahnhofsgebäude verkauft oder anderen Nutzungen zugeführt. Der politische und betriebliche Schwerpunkt verlagerte sich über lange Zeit auf Hauptstrecken und schnelle Verbindungen zwischen großen Zentren. Für ländliche Reiseziele verschlechterte sich dadurch häufig die Erreichbarkeit. Wo der Anschlussbus selten fährt oder ganz fehlt, endet eine grundsätzlich gute Bahnreise am letzten Umstieg. Die Schweiz verfolgte stärker das Ziel eines abgestimmten Gesamtsystems. Ein dichter Takt, aufeinander abgestimmte Anschlüsse sowie die Verknüpfung von Bahn, Postauto, Schiff und Bergbahn erleichtern dort bis heute auch Reisen in kleinere Orte. Der Vergleich zeigt, dass die Qualität des Bahnreisens nicht allein von der Geschwindigkeit einzelner Züge abhängt. Entscheidend sind Netz, Takt, Umsteigebedingungen und die verlässliche Weiterfahrt bis zum Urlaubsort.
Gedruckte nationale und internationale Kursbücher waren die wichtigste Grundlage für die Reiseplanung. Sie enthielten Abfahrts- und Ankunftszeiten, Zugläufe, Verkehrstage und Anschlussverbindungen. Zusammen mit Landkarten, Atlanten und Reiseführern ließ sich eine Reise über mehrere Strecken und Länder vollständig vorbereiten. Die Suche erforderte Zeit und Erfahrung, war danach aber nachvollziehbar: Die ausgewählte Verbindung konnte notiert und unterwegs erneut im Kursbuch überprüft werden. Für Reisen mit mehreren Aufenthalten wurden häufig Netzfahrkarten oder internationale Fahrkarten genutzt. Solche mehrteiligen Reisen führten beispielsweise durch Skandinavien, Großbritannien, Frankreich, Italien, Österreich, die Schweiz oder die Beneluxstaaten. Der oft verwendete Begriff „Rundreise“ passt nur dann genau, wenn die Route tatsächlich zum Ausgangsgebiet zurückführt. Sachlicher ist deshalb die Bezeichnung „mehrteilige Bahnreise“ oder „Reise durch mehrere Länder“.
An vielen Bahnhöfen gab es Fahrkartenausgaben und Personal auf den Bahnsteigen. Dort wurden Fahrkarten verkauft, Verbindungen erläutert und Reservierungen vorgenommen. Bei internationalen Reisen konnten spezialisierte Bahnreisebüros Fahrkarten, Schlaf- und Liegewagenplätze sowie Hotels aufeinander abstimmen. Reisende erhielten einen persönlichen Ansprechpartner, mussten jedoch besonders vor Feiertagen und zu Ferienbeginn mit langen Warteschlangen am Schalter rechnen. Diese Beratung war zeitaufwendig, bot aber eine Qualität, die ein rein digitales Buchungssystem nur teilweise ersetzt. Fachkundige Beschäftigte konnten erkennen, ob eine Verbindung trotz kurzer Übergangszeit praktisch ungeeignet war, ob ein Kurswagen den Umstieg ersparte oder ob eine andere Strecke mit Gepäck und Kindern angenehmer war.
Interrail eröffnete seit den 1970er-Jahren vor allem jungen Menschen die Möglichkeit, Europa mit einer einzigen Fahrkarte zu erkunden. Das Angebot prägte eine eigene Form des Reisens mit Rucksack, Jugendherbergen und spontanen Entscheidungen. Daneben bestanden nationale und internationale Netzkarten für andere Altersgruppen. Sie machten aus der Fahrkarte nicht nur eine Beförderungsleistung, sondern eine Einladung, ein Bahnnetz kennenzulernen. Der Interregio, kurz IR, wurde seit Ende der 1980er-Jahre zu einem besonders beliebten Fernverkehrsprodukt der Deutschen Bundesbahn und später der Deutschen Bahn. Die Züge verbanden Großstädte mit Mittelzentren und vielen Ferienregionen. Sie boten mehr Halte als der Intercity und ermöglichten dennoch lange, umsteigefreie Fahrten. In den 1990er-Jahren wurde das Netz schrittweise ausgedünnt; 2002 verschwand die Zuggattung. Viele ihrer Verbindungen wurden nicht gleichwertig ersetzt oder in höherpreisige Angebote umgewandelt. Gerade für touristische Regionen bedeutete dies den Verlust gut nutzbarer Direktverbindungen.
Kurswagen ermöglichten umsteigefreie Reisen zu Küstenorten, Fährhäfen und Ferienzielen in den Alpen. Einzelne Wagen wurden unterwegs von einem Zug abgehängt und einem anderen Zug beigestellt. Die Reisenden blieben auf ihren Plätzen, während ihr Wagen einen neuen Laufweg nahm. Das Rangieren kostete Zeit, ersparte aber Familien, älteren Menschen und Reisenden mit viel Gepäck beschwerliche Umstiege. Nachtzüge mit Schlaf- und Liegewagen verbanden deutsche Städte mit Zielen in Skandinavien, Frankreich, Italien, Österreich, der Schweiz und Südosteuropa. Die Reisezeit wurde zur Schlafenszeit; morgens begann der Urlaub am Ziel. Speise- oder Frühstücksangebote und die Betreuung durch das Wagenpersonal gehörten zum Reiseerlebnis. Viele Verbindungen wurden später eingestellt, obwohl Nachtzüge auf langen europäischen Strecken eine Alternative zum Flugzeug bieten können. Inzwischen wächst das Interesse wieder, doch ein flächendeckendes und einfach buchbares europäisches Netz ist noch nicht erreicht. Autoreisezüge verbanden Bahn und Auto. Reisende fuhren im Sitz-, Liege- oder Schlafwagen, während ihr Fahrzeug auf besonderen Transportwagen mitgeführt wurde. Vor allem lange Strecken zu den Alpen und nach Südeuropa konnten dadurch ohne stundenlange Autobahnfahrt zurückgelegt werden. Das Angebot verringerte die Belastung für die Fahrenden und den Straßenverkehr, wurde in Deutschland jedoch weitgehend aufgegeben.
Reisegepäck konnte früher am Bahnhof aufgegeben und zum Urlaubsort vorausgeschickt werden. Auf größeren Bahnhöfen halfen Gepäckträger gegen einen festen Tarif oder ein Trinkgeld beim Transport von Koffern. An vielen Treppen gab es schmale Förderbänder, auf denen Gepäck nach oben oder unten befördert werden konnte. Mit dem Abbau von Personal, Gepäckabfertigung und technischer Hilfe wurde das Umsteigen für Reisende mit schweren Koffern schwieriger. Auch das Gepäck selbst veränderte sich. In den 1950er- und 1960er-Jahren waren Handkoffer ohne Rollen und Rucksäcke weit verbreitet. Später verlor der Rucksack im klassischen Urlaubsverkehr zeitweise an Bedeutung. Rollkoffer setzten sich erst vergleichsweise spät massenhaft durch und erleichterten Wege auf ebenen Flächen. Auf Treppen, Kopfsteinpflaster und beim Einstieg in einen Zug müssen sie jedoch weiterhin gehoben werden. Heute sind Rucksäcke wieder sehr beliebt, teilweise auch in Ausführungen mit Rollen. Zum früheren Bahnhofsleben gehörten außerdem Verkäuferinnen und Verkäufer, die mit kleinen Wagen Getränke, Zeitungen, Süßigkeiten und Reisebedarf auf dem Bahnsteig anboten. Weil sich die Fenster vieler Wagen öffnen ließen, konnten Waren unmittelbar in das Abteil gereicht werden. Der Ruf „Drops, Bonbons, Schokolade, Keks“ gehörte für viele Kinder zum Erlebnis einer Bahnreise.
In Abteilwagen kamen Reisende leichter miteinander ins Gespräch. Kinder fanden Spielgefährten, Erwachsene tauschten Hinweise über Reiseziele, Unterkünfte und Bahnstrecken aus. Der Zug war damit nicht nur Transportmittel, sondern sozialer Raum. In Interregio-, Intercity- und Eurocity-Zügen lagen in den 1980er- und 1990er-Jahren häufig gedruckte Reisebegleiter aus. Sie zeigten den Zuglauf, Anschlussmöglichkeiten und teilweise Sehenswürdigkeiten entlang der Strecke. Einige Schweizer Bahnen integrierten vergleichbare Informationen in die Tische; ähnliche Angebote finden sich inzwischen auch bei einzelnen deutschen Nahverkehrsunternehmen. Solche Hinweise lenken den Blick auf die Landschaft und machen die Fahrt selbst zu einem Teil des Urlaubserlebnisses.
Viele Züge führten früher Gepäck- oder Halbgepäckwagen mit. Dort konnten im Selbstverlad zahlreiche Fahrräder untergebracht werden. Mit dem Übergang zu neuen Fernverkehrszügen und festeren Betriebskonzepten wurde die Fahrradmitnahme im IC-, EC- und besonders im ICE-Verkehr stark eingeschränkt oder zeitweise ausgeschlossen. Der Interregio blieb eine wichtige Ausnahme. Erst später wurden wieder Fahrradplätze in einen Teil der Fernzüge eingebaut; ihre Zahl ist bis heute auf vielen Verbindungen knapp. Historisch gehörten Fahrradständer zur Grundausstattung vieler Bahnhöfe und Haltepunkte. Später wurden sichere Abstellanlagen, bewachte Radstationen und Leihradsysteme neu entdeckt. Die Niederlande zeigen, welchen Stellenwert große Fahrradparkhäuser, Mieträder und die enge Verknüpfung von Bahn und Fahrrad besitzen können. In Deutschland hat vor allem Nordrhein-Westfalen ein Netz von Radstationen aufgebaut. Solche Angebote sind für den Fahrradtourismus ebenso bedeutsam wie die Mitnahme des eigenen Rades im Zug. Unterschiede zwischen europäischen Bahnsystemen Europäische Bahnreisen waren und sind von nationalen Besonderheiten geprägt. In Großbritannien erschweren unterschiedliche Tarife und historisch getrennte Netze mitunter die Planung, während dichte Verbindungen viele Landesteile erschließen. Frankreich konzentrierte den Ausbau stark auf schnelle TGV-Strecken nach Paris; Querverbindungen zwischen Regionen blieben häufig schwächer. Italien verfügt über ein leistungsfähiges Hochgeschwindigkeitsnetz, während touristisch interessante Nebenstrecken regional sehr unterschiedlich entwickelt sind. Die Schweiz zeichnet sich durch einen landesweiten Takt und verlässliche Anschlüsse aus. In den Niederlanden erleichtern häufige Zugverbindungen und eine enge Verbindung mit dem Fahrradverkehr die spontane Nutzung. Beide Länder berücksichtigen auch das Gepäck teilweise besser: Koffer können bei entsprechender Sitzanordnung zwischen den aneinanderstoßenden Rückenlehnen verstaut werden. In deutschen Fernzügen dominierten lange die Ablagen über den Sitzen. Sie sind für schwere oder große Koffer ungeeignet. Neuere ICE-Züge besitzen zusätzliche Gepäckregale, doch deren Kapazität reicht in der Hauptreisezeit nicht immer aus. Im Interregio gab es teilweise Gepäckfächer, die sogar abgeschlossen werden konnten.
Internetportale und Apps suchen Verbindungen in Sekunden, verkaufen Fahrkarten und melden Verspätungen oder Gleisänderungen. Das ist ein großer Fortschritt. Gleichzeitig verteilen sich internationale Fahrkarten, Reservierungen und Bedingungen häufig auf mehrere Systeme. Eine durchgehende Reise kann aus verschiedenen Verträgen bestehen. Fällt ein Zug aus, ist für Reisende nicht immer erkennbar, welches Unternehmen zuständig ist und ob eine neue Reservierung benötigt wird. Wer kein Smartphone besitzt oder digitale Zahlungen nicht nutzen kann, stößt auf zusätzliche Hindernisse. Fahrkartenschalter und Reisezentren gibt es nur noch an einem Teil der Bahnhöfe. Automaten erklären komplexe internationale Reisen nur begrenzt. Die Digitalisierung sollte persönliche Beratung deshalb ergänzen und nicht vollständig ersetzen.
Eine Urlaubsreise beginnt nicht erst im Zug. Reisende müssen mit Koffern zum Bahnhof gelangen, einen geeigneten Zugang finden und den Bahnsteig erreichen. Fehlende Kurzzeitparkplätze, große Entfernungen, Treppen sowie defekte Aufzüge oder Rolltreppen können die Reise schon vor der Abfahrt erschweren. Auf vielen Bahnsteigen fehlen geschützte Sitzplätze und gut erreichbare Toiletten. Kurzfristige Gleisänderungen oder eine umgekehrte Wagenreihung zwingen Reisende, mit Gepäck den Standort zu wechseln. Besonders ältere Menschen, Familien und Menschen mit eingeschränkter Mobilität benötigen realistische Übergangszeiten. Die rechnerisch schnellste Verbindung ist nicht immer die praktisch beste. Weniger Umstiege und längere Übergänge können wichtiger sein als einige Minuten Fahrzeitgewinn. Barrierefreiheit darf nicht an der Zugtür enden. Ein stufenloser Triebwagen hilft wenig, wenn ein Mittelbahnsteig wegen eines defekten Aufzugs nicht verlassen werden kann. Verlässliche Informationen über Aufzüge, Einstiegshöhen und Hilfeleistungen müssen bereits bei der Buchung sichtbar sein. Störungen brauchen zudem eine erreichbare persönliche Unterstützung.
Rollkoffer erleichtern den Weg über glatte Bahnhofsböden, müssen aber auf Treppen und in Züge gehoben werden. Große Gepäckstücke passen nicht in jede Ablage. Gepäckregale außerhalb des direkten Blickfeldes lösen bei manchen Reisenden die Sorge vor Verwechslung oder Diebstahl aus. Ein zeitgemäßer Zug benötigt daher ausreichend große, gut einsehbare und leicht erreichbare Abstellflächen. Für Fahrräder bestehen je nach Land, Unternehmen und Zugart unterschiedliche Regeln. Stellplätze sind begrenzt und im Fernverkehr meist reservierungspflichtig. Bei internationalen Reisen muss nicht nur ein Sitzplatz, sondern für jeden Abschnitt auch ein Fahrradplatz verfügbar sein. Aufzüge, Bahnsteigwechsel und hohe Einstiege erschweren das Umsteigen mit einem beladenen Rad. Ergänzend sind verlässliche Leihräder und Radstationen an Zielbahnhöfen notwendig.
Die letzte Strecke entscheidet häufig darüber, ob ein Urlaub ohne Auto möglich ist. In ländlichen Regionen fahren Busse am Abend und am Wochenende oft selten. Unterschiedliche Tarife und Apps schaffen weitere Hürden. Eine kurze Entfernung auf der Karte kann mit Gepäck, Steigungen oder unebenen Wegen beschwerlich sein. Abgestimmte Busanschlüsse, Rufangebote, Hotelshuttles und gut zugängliche Taxistände gehören deshalb zur touristischen Infrastruktur. Eine leistungsfähige Bahnreise verbindet Geschwindigkeit mit Verlässlichkeit und Service. Dazu gehören nicht nur moderne Züge, sondern auch ein dichtes Netz, erreichbare Bahnhöfe, verständliche Tarife, angemessene Umsteigezeiten, funktionierende Toiletten und Aufzüge sowie Menschen, die bei Problemen helfen.

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In den 1960er- und 1970er-Jahren waren Autobahnen und Ortsumfahrungen weniger weit ausgebaut. Viele Fahrten führten über Bundes- und Landstraßen durch Städte und Dörfer. Personenwagen, Lastwagen, landwirtschaftliche Fahrzeuge, Motorräder und Fahrräder teilten sich die Fahrbahn. Auf schmalen oder kurvenreichen Strecken entstanden lange Kolonnen. Verkehrsmeldungen gab es nur zu bestimmten Zeiten im Radio; Ursache und Dauer eines Staus blieben oft unbekannt. Die Route wurde mit Straßenkarten, Autoatlanten und Reiseführern geplant. Automobilclubs stellten auf Wunsch Routenempfehlungen und Länderinformationen zusammen. Während der Fahrt las häufig die mitfahrende Person die Karte. Bei Dunkelheit war dies schwierig, und eine verpasste Abzweigung führte schnell zu längeren Umwegen. Wer den Weg nicht fand, fragte an einer Tankstelle oder im Ort nach einer Richtung und musste dabei Sprachprobleme überwinden. Tankstellen waren nicht rund um die Uhr geöffnet. Für Italien konnten im Voraus Tankgutscheine erworben werden, die an bestimmten Stationen galten. Kraftstoffsorten hatten unterschiedliche Bezeichnungen, und häufig übernahm ein Tankwart das Befüllen. Eine Panne war ohne Mobiltelefon besonders unangenehm. Hilfe musste über eine Notrufsäule, eine Tankstelle, ein Wohnhaus oder einen anderen Verkehrsteilnehmenden organisiert werden.
Grenzkontrollen gehörten zum europäischen Reisealltag. Reisepässe, Fahrzeugpapiere und Versicherungsnachweise mussten griffbereit sein; teilweise wurde das Gepäck kontrolliert. Für mehrere Länder wurden verschiedene Geldscheine und Münzen benötigt. Wechselkurse und Gebühren erschwerten den Überblick über Reiseausgaben. Kreditkarten waren wenig verbreitet, Geldautomaten gab es nicht, und Banken oder Wechselstuben waren nur zu festen Zeiten geöffnet. Verkehrsregeln, Beschilderung, Maut und vorgeschriebene Fahrzeugausstattung unterschieden sich erheblich. Informationen mussten vor der Abreise über Automobilclubs und Reiseführer beschafft werden. Die fahrende Person und ihre Begleitung mussten gemeinsam auf Wegweiser, Vorfahrt und örtliche Besonderheiten achten.
In Frankreich verliefen viele Fahrten über die Routes nationales durch zahlreiche Ortskerne. Die „Priorité à droite“, gelbe Scheinwerfer, französische Wegweiser und die Maut auf neuen Autobahnen verlangten Aufmerksamkeit. Kreisverkehre gewannen dort früher eine große Bedeutung als in Deutschland. Ihre Regeln und die richtige Ausfahrt waren für ungeübte ausländische Reisende zunächst gewöhnungsbedürftig. In Belgien wechselte die Sprache der Ortsnamen zwischen Flandern und Wallonien. In den Niederlanden prägten Fahrräder, Grachten, Deiche, schmale Brücken und schon früh zahlreiche Kreisverkehre den Straßenverkehr. In Großbritannien kam nach der Fährüberfahrt die Umstellung auf Linksverkehr hinzu. Besonders an Kreuzungen, beim Abbiegen und im Kreisverkehr bestand die Gefahr, aus Gewohnheit falsch einzuordnen. Auch nach einer Pause musste die Fahrerin oder der Fahrer sich die Verkehrsseite erneut bewusst machen.
Schweden wechselte am 3. September 1967 vom Links- zum Rechtsverkehr. Wer das Land kurz vor oder nach dieser Umstellung bereiste, musste besonders auf aktuelle Hinweise achten. Fahrten nach Skandinavien erforderten zudem die Abstimmung mit Fähren und lange Tagesetappen. Alpenpässe boten eindrucksvolle Landschaftserlebnisse, verlangten aber Erfahrung. Schmale Fahrbahnen, enge Kehren, starke Steigungen, fehlende Leitplanken und wechselndes Wetter stellten hohe Anforderungen an Mensch und Fahrzeug. Vor langen Gefällestrecken musste die Bremswirkung des Motors genutzt werden. Auf dem Weg nach Italien war die Brennerroute besonders wichtig; Staus, Grenzkontrollen und die Belastung älterer Fahrzeuge machten die Fahrt anstrengend.
Lange Autofahrten waren für Kinder belastend. Bewegung war während der Fahrt kaum möglich, und Unterhaltungselektronik stand nicht zur Verfügung. Bücher, Spiele, gemeinsames Singen und Beobachtungen entlang der Strecke mussten genügen. Regelmäßige Pausen zum Essen, Bewegen und Spielen waren notwendig. Mit der weiteren Verbreitung von Sicherheitsgurten und Kindersitzen stieg die Sicherheit, zugleich mussten Kinder über viele Stunden angeschnallt bleiben. Die eigene Zeiteinteilung war ein wesentlicher Vorteil des Autos. Pausen konnten dem Bedarf der Familie angepasst, Gepäck direkt verladen und abgelegene Ziele erreicht werden. Die Fahrt war häufig bereits Teil des Reiseerlebnisses. Dieser Gewinn an Freiheit trug entscheidend zur wachsenden Bedeutung des Autos im Urlaub bei.
Navigationsgeräte und Smartphones berechnen Routen, melden Staus und schlagen Umleitungen vor. Unterkünfte, Tankstellen, Ladestationen und Restaurants lassen sich unterwegs suchen. Moderne Assistenzsysteme, Klimaanlagen und bequemere Fahrzeuge verringern einen Teil der Belastung. Gepäck wird an der Wohnung eingeladen und bis zur Unterkunft transportiert, ohne dass es bei jedem Umstieg bewegt werden muss. Diese Vorteile sind für Familien, ältere Menschen und Reisende mit körperlichen Einschränkungen besonders bedeutsam. Pausen, Tagesetappen und Abfahrtszeiten können selbst bestimmt werden. Wo Bus und Bahn selten fahren oder touristische Ziele weit auseinanderliegen, bleibt das Auto häufig das praktischste Verkehrsmittel.
Die Reiseplanung ist dennoch nicht automatisch einfach. Umweltzonen, Mautsysteme, digitale Vignetten, Zufahrtsbeschränkungen und Parkplatzreservierungen unterscheiden sich von Land zu Land. Beim Elektroauto kommen verschiedene Ladeanbieter, Apps, Bezahlsysteme und die Verfügbarkeit geeigneter Ladepunkte hinzu. Wer kein Smartphone nutzen kann, darf nicht von wesentlichen Leistungen ausgeschlossen werden. Staus und Parkplatzsuche belasten besonders bekannte Urlaubsorte. Navigation führt viele Fahrzeuge zu denselben Zeiten auf dieselben Strecken. Auch Elektroautos benötigen Straßen und Stellflächen. An gut erschlossenen Zielen können Park-and-Ride, Bahn, Bus, Schiff, Fahrrad und Fußwege das Auto ergänzen. Die Verantwortung darf dabei nicht allein den Gästen überlassen werden; Urlaubsregionen müssen verständliche und verlässliche Alternativen anbieten.
Camping wurde bereits in den 1950er-Jahren zu einer wichtigen und vergleichsweise preiswerten Urlaubsform. Zelte ermöglichten naturnahe Aufenthalte, Wohnwagen verbanden einen festen Schlafplatz mit wechselnden Zielen. Später ergänzten Wohnmobile das Angebot. Campingplätze entwickelten sich von einfachen Wiesen mit Sanitäranlagen zu vielseitigen Ferienanlagen. Die Bewertung dieser Reiseform darf nicht von individuellen Vorlieben abhängen. Für viele Familien bedeutete Camping Freiheit, Gemeinschaft und einen erschwinglichen Urlaub. Zugleich benötigt es Flächen, Wasser, Energie, Zufahrten und eine geordnete Entsorgung. Wildes Campen kann empfindliche Landschaften belasten, weshalb klare Regeln und ausreichend geeignete Stellplätze notwendig sind.
Wohnmobile sind in den vergangenen Jahren größer, breiter und schwerer geworden. Auf Autobahnen ist dies meist unproblematisch, auf historischen Passstraßen und in engen Bergdörfern entstehen jedoch Konflikte. Zwei große Fahrzeuge können einander kaum passieren; Rückwärtsfahren und Rangieren blockieren den Verkehr und bergen Risiken. Gewicht, Fahrzeughöhe, Kurvenradius und Bremsweg werden in den Bergen zu entscheidenden Größen. Notwendig sind klare Angaben zu Breite, Höhe, Gewicht und Eignung der Strecke, bevor ein Fahrzeug in eine Engstelle einfährt. Digitale Navigation sollte ungeeignete Straßen vermeiden. Wo die Belastung zu groß wird, können zeitliche Beschränkungen, ausgewiesene Ausweichstellen, Stellplätze im Tal und gute Busverbindungen sinnvoll sein. Radreisen und die Verbindung mit der Bahn. Der Fahrradtourismus ist eine eigenständige und bedeutende Reiseform. Flussradwege, Bahntrassenwege und regionale Netze ermöglichen mehrtägige Reisen mit vergleichsweise geringem Energieverbrauch. E-Bikes erweitern die Reichweite und erleichtern Steigungen, sind aber schwerer und benötigen sichere Abstell- und Lademöglichkeiten. Für eine durchgehende Reisekette müssen Radwege, Bahnverbindungen, Fahrradstellplätze, Leihräder, Radstationen und fahrradfreundliche Unterkünfte zusammenspielen. Die Mitnahme im Zug ist nur eine Möglichkeit. Häufig ist es einfacher, am Ziel ein geeignetes Fahrrad zu leihen. Voraussetzung sind verlässliche Verfügbarkeit, einfache Buchung und Rückgabestationen an Bahnhöfen oder touristischen Zentren.

(mit KI bearbeitet)
In den 1960er-Jahren waren Urlaubsflüge für viele Haushalte zu teuer. Flugkarten wurden im Reisebüro oder bei einer Fluggesellschaft gebucht und auf Papier ausgestellt. Eine Flugreise galt als außergewöhnliches Ereignis. Pauschalangebote erschlossen später Ziele am Mittelmeer für größere Bevölkerungskreise, blieben aber zunächst eine Anschaffung, für die lange gespart wurde. Mit Ferienfluggesellschaften und später den Billigflugangeboten sank der sichtbare Einstiegspreis. Gleichzeitig wurden ehemalige Militärflugplätze und kleinere Regionalflughäfen für den zivilen Verkehr genutzt. Standorte wie Hahn, Weeze oder Memmingen liegen weit von den Städten entfernt, mit deren Namen sie vermarktet werden. Lange Anfahrten, schwache Bahnanschlüsse, Busfahrten und Parkkosten relativieren deshalb den Vorteil eines günstigen Fluges. Gesamtkosten und tatsächliche Reisezeit. Der Flugpreis bildet häufig nur einen Teil der Kosten ab. Gepäck, Sitzplatzwahl, Verpflegung, Flughafenanreise, Parken und Transfer zum Ziel kommen hinzu. Auch die reine Flugzeit sagt wenig über die gesamte Reisedauer aus. Sicherheitskontrollen, Gepäckaufgabe, Wartezeiten und lange Wege im Terminal können aus einem kurzen Flug einen ganzen Reisetag machen. Große Flughäfen sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität anstrengend. Digitale Bordkarten und automatische Abfertigung beschleunigen Abläufe, dürfen aber erreichbare Ansprechpartner und verlässlich organisierte Hilfen nicht ersetzen.
Der Luftverkehr verursacht neben Kohlendioxid weitere klimawirksame Effekte in großer Höhe, außerdem Fluglärm und Verkehr im Flughafenumfeld. Besonders problematisch ist ein sehr kurzer Aufenthalt nach einer langen Flugreise. Seltener zu fliegen und länger am Ziel zu bleiben verbessert das Verhältnis zwischen Reiseaufwand und Urlaubsdauer. Die Preise spiegeln nicht alle gesellschaftlichen und ökologischen Kosten wider. Der gewerbliche Luftverkehr profitiert in Deutschland von der Energiesteuerbefreiung für Kerosin; auf internationalen Flügen fällt keine Mehrwertsteuer an. Hinzu kamen und kommen bei einzelnen Regionalflughäfen öffentliche Zuschüsse. Solche Bedingungen beeinflussen den Wettbewerb mit der Bahn. Eine sachliche Diskussion über „wahre Preise“ muss deshalb Steuern, Infrastrukturkosten, Klimawirkungen und Lärm bei allen Verkehrsmitteln nach vergleichbaren Maßstäben berücksichtigen. (Umweltbundesamt)
Eine alternde Gesellschaft benötigt Reiseangebote, die unterschiedliche körperliche und digitale Fähigkeiten berücksichtigen. Nicht alle Gäste können lange Wanderungen, steile Wege oder sportliche Aktivitäten bewältigen. Der Wunsch, Landschaften, Sehenswürdigkeiten und Kultur zu erleben, bleibt dennoch bestehen. Dazu gehören kurze geführte Spaziergänge mit Sitzpausen, Ausflugsfahrten, barrierearm erreichbare Aussichtspunkte und Besichtigungen in angemessenem Tempo. Gut begehbare Wege, Ruhebänke, öffentlich zugängliche Toiletten und verlässliche Hin- und Rückfahrten sind keine Nebensachen. Bei schlechtem Wetter sollten Museen, Ausstellungen, Konzerte, Vorträge und regionale Kulturveranstaltungen erreichbar sein. Informationen müssen bereits vor dem Ausflug erkennen lassen, wie lang ein Weg ist, welche Steigungen und Treppen auftreten und ob Sitzgelegenheiten oder Toiletten vorhanden sind. Gedruckte Übersichten, telefonische Auskünfte und persönliche Beratung sollten digitale Angebote ergänzen. Davon profitieren nicht nur ältere Menschen, sondern auch Familien, Menschen mit Behinderungen und alle, die einen Urlaub ohne eigenes Auto planen.
Overtourism entsteht, wenn die Zahl und die zeitliche Konzentration der Gäste die Belastbarkeit eines Ortes übersteigen. Betroffen sind Natur, Wohnraum, öffentliche Flächen, Wasser- und Abfallsysteme, Verkehr sowie die Lebensqualität der Bevölkerung. Der Andrang kann durch Autos, Reisebusse, Kreuzfahrtschiffe, Flugzeuge und Züge gleichermaßen verstärkt werden. Entscheidend ist nicht nur das Verkehrsmittel, sondern wie viele Menschen wann ankommen, wie lange sie bleiben und wie sie sich vor Ort bewegen. Soziale Netzwerke können kleine Orte innerhalb kurzer Zeit zu internationalen Fotokulissen machen. Am Pragser Wildsee und am Karersee konzentrieren sich zahlreiche Tagesgäste auf empfindliche Landschaftsräume. In Iseltwald wurde ein einzelner Bootssteg durch eine Fernsehserie zum Ziel vieler Fototouristen. Venedig und Dubrovnik müssen große Besucherströme in historischen Altstädten bewältigen, wobei Tagesgäste, Kreuzfahrten, Reisebusse und Flugverkehr zusammenwirken.
Kurtaxe, allgemeine Tourismusabgabe, Eintritt und Lenkungsgebühr verfolgen unterschiedliche Zwecke. Eine Kurtaxe dient in erster Linie der Finanzierung touristischer Infrastruktur und Leistungen. Eine zeitlich begrenzte Zugangsgebühr soll dagegen den Zutritt steuern oder zusätzliche Belastungen bestimmter Tagesgäste ausgleichen. Diese Instrumente sollten deshalb nicht unter einem gemeinsamen Begriff zusammengefasst werden. Gebühren allein lösen Overtourism nicht. Sie können Infrastruktur finanzieren und begrenzte Flächen ordnen, verdrängen aber möglicherweise Menschen mit geringem Einkommen. Notwendig sind zusätzlich abgestimmte Ankunftszeiten, Besucherobergrenzen an empfindlichen Orten, attraktive Ziele abseits der bekannten Hotspots, gute öffentliche Verbindungen und verständliche Informationen. Digitale Reservierungen dürfen nicht die einzige Zugangsmöglichkeit sein.
Touristische Erfolge sollten nicht allein an Übernachtungs- und Besucherzahlen gemessen werden. Wichtig sind ebenso Aufenthaltsdauer, regionale Wertschöpfung, Arbeitsbedingungen, Natur- und Kulturschutz sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung. Ein Gast, der mehrere Tage bleibt, örtliche Angebote nutzt und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist, kann für eine Region wertvoller sein als mehrere kurze Fotobesuche mit hohem Verkehrsaufwand.
Reisen ermöglicht Begegnungen, Bildung und Erholung. Dieser Wert darf nicht nur den wohlhabenden Teilen der Weltbevölkerung vorbehalten bleiben. Wenn künftig deutlich mehr Menschen aus Asien, Afrika und anderen wachsenden Regionen reisen können und wollen, steigt jedoch der Druck auf Klima, Verkehrswege und bekannte Ziele. Die Antwort kann nicht darin bestehen, anderen Bevölkerungsgruppen jene Möglichkeiten grundsätzlich zu verwehren, die Europa und Nordamerika über Jahrzehnte selbstverständlich genutzt haben. Umso wichtiger werden faire Regeln und Preise, die interne und externe Kosten einbeziehen. Zu den internen Kosten gehören Fahrzeug, Personal, Energie und Infrastruktur. Externe Kosten entstehen unter anderem durch Klimaschäden, Luftverschmutzung, Lärm, Unfälle und Flächenverbrauch. Würden diese Belastungen vollständig zugerechnet, verteuerten sich viele Reisen. Gleichzeitig würden kurze, besonders belastende Fahrten weniger attraktiv, während näher gelegene Ziele, längere Aufenthalte und gut ausgelastete öffentliche Verkehrsmittel an Bedeutung gewinnen könnten. Eine zukunftsfähige Reiseverkehrspolitik muss deshalb mehrere Ziele verbinden: ein leistungsfähiges europäisches Bahnnetz, gute Anschlüsse in ländliche Regionen, sichere Radwege, verständliche digitale und persönliche Informationen, barrierearme Reiseketten sowie einen Straßen- und Luftverkehr, dessen Preise die tatsächlichen Belastungen stärker berücksichtigen. Die Wahl des Verkehrsmittels bleibt von Entfernung, Reiseziel, Gepäck, Gesundheit und persönlicher Lebenslage abhängig. Die Vergangenheit zeigt, dass technischer Fortschritt nicht automatisch besseren Service bedeutet. Die Zukunft sollte die Vorteile beider Epochen verbinden: die Geschwindigkeit und Informationsmöglichkeiten von heute mit der Verlässlichkeit, persönlichen Hilfe und durchgehenden Verantwortung, die früher an vielen Stellen selbstverständlich waren. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Ziele abzuhaken, sondern mit welchem Aufwand, welcher Rücksicht und welcher Aufmerksamkeit gereist wird.
Achim Walder studierte Ingenieurwissenschaften und Physik. Er war langjähriger Inhaber und Leiter eines Büros für integrierte Verkehrsplanung und Stadtentwicklung, das für Stadt- und Kreisverwaltungen, Verkehrsunternehmen und Tourismusorganisationen tätig war. Ingrid Walder arbeitete als Lehrerin und später als Schulamtsdirektorin.
Gemeinsam veröffentlichten Achim und Ingrid Walder im Walder-Verlag rund 80 gedruckte Reiseführer für den Buchhandel sowie im Auftrag von Tourismusregionen und Bahngesellschaften. Auf reisetipps-europa.de stellen sie außerdem mehr als 800 Online-Reiseführer zu Regionen und Reisezielen in Europa kostenlos zur Verfügung.
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Walder-Verlag - Reisetipps-Europa:
Herausgeber: Walder-Verlag
Redaktion: Ingrid Walder und Achim Walder
Foto: Ingrid Walder und Achim Walder
Text: Ingrid Walder und freie Mitarbeiter*innen und Mitarbeiter*innen des Walder-Verlags
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